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Göttingen (Freie Waldorfschule)

Der Projekt-Ablauf im Einzelnen

Fächer:1. Projektphase:

Das Projekt startete im Wald an "unserer" Altbuche, die zunächst von den rings um den Baum aufgestellten SchülerInnen aus allen Perspektiven ausgiebig beobachtet und gemeinsam beschrieben wurde – von der Kronenform über Stamm und Rinde, Äste und Aststellung, Zweige und Verzweigungen bis zu den Blättern und Knospen. Danach wurde der Kronenumfang vermessen. Ein Spatenausstich zeigte, dass der unsichtbare Teil der Buche unter der Erde wesentlich dazu gehört. Der Wurzelraum unserer Buche wurde geschätzt und das Wurzelsystem besprochen. In der Schule zeichneten die Schüler den Baum aus dem Gedächtnis aus ihrer jeweiligen Perspektive.
Im Unterrichtsgespräch wurde erarbeitet, welche Funktionen die einzelnen Teile des Baumes haben. Wie kommt das Wasser in die Krone und das, was die Blätter erarbeiten, in die Wurzeln? Die SchülerInnen schnitten frische Stammabschnitte einer jungen Weide mit dem Messer auf und betrachteten die Schichten der Rinde und des Holzes sowie die Versuche des Baumes, einen Rindenschaden zu überwallen, woraus sich auch Erkenntnisse über das Dickenwachstum der Bäume ableiten ließen.
Am zweiten Waldtag wurde der Stammumfang der Altbuche vermessen und die Baumhöhe nach zwei Verfahren geschätzt. Das Alter der Buche wurde durch Zählen von Jahresringen an benachbarten Baumstubben auf ca 130 Jahre ermittelt.
Die Beobachtung einer Reihe von Knospenzweigen von der geschlossenen Winterknospe über die anschwellende Knospe, das Hervorspitzen der ersten Blätter, die allmähliche Blattentfaltung und die anschließende Streckung des Sprosses bis auf 50 oder 70 cm und mehr – was sich alles innerhalb von zwei bis drei Wochen vollzieht – verdeutlichte das Höhenwachstum der Bäume und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Zitat aus einem Schüleraufsatz: "Im Wald passiert so viel mit soviel Kraft und das mit vollkommener Ruhe. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, um uns das zu zeigen."
Den Lebensweg unserer Altbuche verfolgten die SchülerInnen von der männlichen und weiblichen Blüte an. Sie zählten, dass ca 400 Bucheckernhülsen aus dem letzten Mastjahr auf einem Quadratmeter unter der Altbuche zu finden waren und errechneten daraus, dass eine Altbuche im Laufe ihres Lebens mehr als eine Millionen Bucheckern produzieren kann. Von dieser Million von Bucheckern bleibt nach 130 Jahren nur eine einzige Altbuche übrig. Das Interesse war geweckt, den Lebensweg der Buche weiter zu verfolgen und zu sehen, wo die übrigen 999.999 oder mehr Buchen bleiben...
An der nächsten Station waren 10 Buchenkeimlinge zu erkennen und nach ihrem Entwicklungsstand zu ordnen.
Bei einer Zählung von 2jährigen Buchenpflanzen auf einer Fläche, die dem Kronenumfang unserer Altbuche entsprach, fanden sich von den zu erwartenden mehreren Zehntausend Bucheckern aus der letzten Mast noch 1070 Jungbuchen...
Den weiteren Lebensweg der Buche verfolgten die SchülerInnen in Kleingruppen zu viert an Stationen in verschieden alten Beständen, an denen sie anhand eines Aufgabenbogens (im Anhang) Beobachtungen und Messungen auszuführen hatten und selbständig Schlüsse aus den Beobachtungen zogen. So erarbeiteten sie sich durch Messung der Länge von Jahrestrieben sowohl eine Möglichkeit der Altersschätzung in Jungbeständen als auch die Tatsache der Differenzierung von Längen- und Dickenwachstum in Abhängigkeit von der Konkurrenz um Licht. Die Stammzahlreduktion durch Absterben infolge Lichtmangels wurden ebenso beobachtbar wie die Ausbildung sogenannter "Protzen", sehr astiger vorwüchsiger Jungbuchen im Oberstand sowie die Astreinigung im Unterstand. So erschloss sich auch durch Beobachtung und Kombinationsgabe der erste Eingriff des Försters in den Bestand mit Entnahme der Protzen dem Verständnis der SchülerInnen. Die SchülerInnen verfolgten die Bestandesentwicklung von der Nutzung im Baumholzalter unter Erhaltung der in etwa gleichaltrigen unterständigen Buchen bis zur Ernte der Überhälter und diskutierten, warum welche Bäume gefällt wurden.
Ein "Waldbuch" mit einem Bestimmungsteil für Baumarten und Tierspuren und vielen leeren Seiten für eigene Notizen, dessen laminiertes Titelblatt die Schüler künstlerisch gestaltet hatten und das sie in der Schule selbst zusammengenäht hatten, half bei der Bestimmung der Mischbaumarten in den verschieden alten Beständen.