header2_6.jpg
header3.jpg
header_bottom.jpg
 
Göttingen (Freie Waldorfschule)

2. Projektphase:

Wer nutzte den Wald vor ca 130 und mehr Jahren?

Die Schüler wählten Handwerke, für die Wald und Holz erforderlich waren, bildeten Arbeitsgruppen, bekamen Texte zu den gewählten historischen Handwerken oder recherchierten selbst, filterten Informationen zum Thema Handwerk und Holz heraus und ersannen dann jeweils eine kleine Rollenspiel-Szene, deren Dialoge und Handlung das Handwerk und seine Holznutzung darstellten.
Bei unserem Exkursionstag im Reinhardswald konnten als Höhepunkt des Tages diese Szenen vor historischer Kulisse im alten Eichen- Hutewald, dem Friedwald, zur Aufführung gelangen – mit sparsamen Requisiten und improvisierten Überleitungen eine höchst interessante Dreiviertelstunde! Als sich dann noch der Betreuer als Holzaufkäufer aus der Stadt zu Wort meldete und Bedarf an dem gesamten Eichenbestand anmeldete, machte sich Betroffenheit bei den SchülerInnen breit und sie bemerkten: Was bleibt vom Wald bei so vielen Nutzern?
Was bleibt den Nutzern bei so wenig Wald nach so viel Verbrauch? Die Frage nach der Nachhaltigkeit stand im Raum – unter den ausladenden Zweigen der alten Buche – und sollte auch noch Frage bleiben!

Der Exkursionstag war sehr stimmungsvoll eröffnet worden durch ein Rudel Rotwild, das ein Viertelstunde lang in Sichtweite den Friedwald durchquerte. Mit dem Waldbuch machten sich die SchülerInnen im Anschluss an das Rollenspiel auf die Spurensuche und identifizierten die mit Pfeilen gekennzeichneten Fraß-, Tritt- und Kotspuren von Rotwild, Schwarzwild, Rehwild, Fuchs und Dachs. Dass man am Kot sogar den männlichen Hirsch von der weiblichen Hirschkuh unterscheiden kann, beeindruckte die SchülerInnen. Auf dem Rückweg beäugten uns zwei Rehe lange aus sicherer Entfernung.
Die Exkursion schloss im sogenannten "Urwald", einem alten Huteeichen- und Buchenbestand, der seit ca 100 Jahren unter Naturschutz steht. Die 200 – 400jährigen Buchen und 300 – 600jährigen Eichen standen im eindrucksvollen Kontrast zu der benachbarten Fichten-Windwurffläche mit Wurzeltellern, die auf dem staunassen Boden nur ca 20 cm Wurzeltiefe erreichen konnten. Die Schüler waren von den alten Baumgestalten beeindruckt und zeichneten ihr Lieblingsmotiv.