| Braunschweig (Lessing Gymnasium) |
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Wald macht Wissen ÜBERBLICK ![]() An den Experimentiertischen, Lern- und Spielstationen werden andere Schulklassen und Öffentlichkeit nun hoffentlich für eigene „Waldeinsätze“ begeistert. Das Projekt zielte anfangs „nur“ darauf ab, dass Jugendliche im fächerübergreifenden naturwissenschaftlichen Unterricht gruppenweise und möglichst selbstständig kleine Forschungsprojekte zum Themenfeld „Wald“ verfolgen: Geeignete Experimente, genaue Messverfahren sowie hilfreiches Anschauungsmaterial waren zu (er-) finden, die Ergebnisse sollten für andere klar nachvollziehbar dargestellt sein. Angeregt durch den Schulwettbewerb von ‚Waldwert’ wurden jetzt im Frühjahr die gedruckten, „herkömmlichen“ Gruppenergebnisse zu eingängigen Lernstationen für jedermann umgestaltet, z. B. - simuliert man einen Orkan, um sich dem Thema „Statik der Bäume“ anzunähern - kostet man Ebereschengelee, um sich für „Sorbus aucuparia“ zu interessieren - ertastet man Blattränder, um den „Weg des Wassers im Baum“ zu erahnen - liest man englischsprachige „summaries“, um globale Gültigkeit zu erkennen ... Im Waldforum Riddagshausen sind vom 15. 05. bis 04.07. 2008 zehn verschiedene Lernstationen aufgebaut. Eine 8. Klasse, die einen einwöchigen Jugendwaldeinsatz plant, hat die Ausstellung bereits am 12. Juni besucht und wurde dabei durch die Neuntklässler betreut … und interessiert beobachtet. Am Sonntag, den 15.Juni ’08 konnten Schüler und Lehrkräfte ihr Projekt im Waldforum der Öffentlichkeit vorstellen. Wir hoffen, dass mit Hilfe des Projekts möglichst viele Schulklassen angeregt werden, Wald gemeinsam zu erleben und vielfältig zu erforschen. Wir danken dem Forstamt Wolfenbüttel für seine Unterstützung und sind glücklich, dass in Braunschweig Schule, Öffentlichkeit und Wald nicht nur bei schlechtem Wetter im Waldforum Riddagshausen zusammenfinden. Didaktische Anmerkungen: ZIELGRUPPE 1a. Jugendwaldeinsätze als Bestandteil gymnasialer Bildung? Neuntklässler des Lessinggymnasiums nehmen seit 18 Jahren an mobilen, einwöchigen Jugendwaldeinsätzen nach dem „Braunschweiger Modell“ teil. Hier führen Schulklassen vormittags in möglichst stadtnahen Waldflächen unter Anleitung von Forstwirten verschiedene, einfache Pflegearbeiten durch. Freitags findet eine Waldführung durch den Förster statt, der Abschluss ist ein gemeinsames Grillfest. Diese Veranstaltung bietet Eindrücke zum forstwirtschaftlichen Berufsfeld, ermöglicht praktischen naturwissenschaftlichen Unterricht und fördert durch gemeinsame Erfolgserlebnisse die Klassengemeinschaft. Angesichts des neu eingeführten niedersächsischen Abiturs nach 12 Jahren stellt sich nicht nur für den Schulvorstand des Lessinggymnasiums erneut und verstärkt die Frage nach dem Sinn derartig zeitaufwändiger und praxisorientierter Veranstaltungen. Andererseits steht aber außer Frage, dass ’projektorientiertes Lernen’ unter Einbeziehung 'außerschulischer Lernorte’ gerade in der Sekundarstufe I das ernsthafte, forschende Tun nachhaltiger fördert als systematisches Einschleifen eines vielfach komprimierten Stoffpensums. 1b. Wie lernen pubertierende Jugendliche? Nicht Eltern und Lehrer, sondern Gruppenerlebnisse mit Gleichaltrigen sind für die Wahrnehmung und das (Lern-)Verhalten Jugendlicher im Alter von 13 - 16 Jahren maßgeblich. Daneben lässt sich ihr Interesse vor allem durch eigenes Tun wecken, durch die intensive Erkundung von außerschulischen Einrichtungen, durch die Begegnung mit "authentischen" Fachleuten oder durch das Erleben öffentlicher Aufmerksamkeit. Oft prägen sinnliche und positiv empfundene Eindrücke aus dieser Altersphase eine hohe Bereitschaft aus, sich später als Erwachsene mit zwar abstrakteren, aber eben auch umweltbezogenen Fragestellungen eingehend zu befassen. 2. GEFÖRDERTE KOMPETENZEN (erläutert am Thema "Statik eines Baumes") 2a. Sachkompetenzen ( "Wurzel, Stamm, Krone - ihre Anteile, ihr Gewicht ...") Am selbst gewählten Thema wird bereits in wissenschaftlicher Weise gearbeitet: - Idee: Entwicklung von Experimenten, die zum Thema passen - Umsetzung: korrekte, möglichst exakte Messungen, Vergleich mit Vorwissen und Fachliteratur - Dokumentation: Vorgehensweise und Ergebnisse werden genau und vollständig dargestellt. 2b. Sozialkompetenz (" Wie sollte ein Baum gebaut sein, damit er stehen bleibt?" ) - Kommunikationsfähigkeit in inner- und außerschulischen Lern- und Arbeitssituationen (Notwendigkeit adressatenbezogener Darstellungsweisen eines Themas ) - Gruppenarbeit arbeitsteilig organisieren und eigene Fähigkeiten einbringen 2c. Personale Kompetenz(" Wie kann ein Baum so alt sein und immer wieder grün werden?") Über das eigene reale Tun werden Ziele, Chancen, Schwierigkeiten und Eigenarten naturwissenschaftlichen Arbeitens erfahrbar. So wird auch Kritikfähigkeit gefördert; die persönliche Auseinandersetzung mit der Natur und ihren Gesetzen ermöglicht Respekt. ERGEBNISSE Eine Schülerin hat folgende Rückmeldung gegeben: "Ich finde, die Ausarbeitung unserer Projekte war eine gute Idee, da man sich mit den Themen eigenständig beschäftigen und somit die wichtigen Aspekte gut vertiefen konnte. Es war interessant, da man sowohl über sein eigenes Thema als auch über die anderen Projekte der Klasse viel lernen konnte und durch die kreativen Ideen selber zu Erkenntnissen und Lösungen kam." Ein Schüler: „Das Projekt zeigt ein weiteres mögliches Einsatzgebiet für Holz auf. Unser Bootsantrieb hat einen viel umweltfreundlicheren Antrieb als herkömmliche Antriebe, weil er nachwachsende und keine fossilen Brennstoffe verwendet. Dies kann Menschen Denkanstöße für weitere Erfindungen geben.“ KRITIK Diese nahezu musterhaft formulierten Eindrücke werden von allen SchülerInnen erkennbar geteilt; einige äußern die auch von uns Lehrkräften nachvollziehbare Kritik, dass das gesamte Projekt sich zu lange hingezogen habe. ANREGUNGEN Der einwöchige Jugendwaldeinsatz trägt am Lessinggymnasium seit fast zwei Jahrzehnten als beliebtes Gruppenerlebnis zur Wertschätzung von Wald bei. Ließe sich diese besondere Art der Öffentlichkeitsarbeit des Forstamtes Wolfenbüttel flächendeckend in Niedersachsen fördern, so könnten deutlich mehr Schulen „Wald“ zum erlebbaren und damit hochrangigen Unterrichtsthema für junge Menschen machen. |





